Thinking Environment®

Den Geist beflügeln- Was ist ein Thinking Environment?

Ein Thinking Environment“® ist eine Umgebung, die das unabhängige Denken (jedes) Menschen beflügelt. Nancy Kline zeigt mit ihrer Arbeit eindrucksvoll auf, wie ein „Thinking Environment“® entsteht und bewusst kreiert werden kann. Ihre Arbeit fußt auf einem ganz pragmatischen Anfangspunkt: „Die Qualität unsere Resultate und unseres Tuns ist bestimmt durch das vorangegangene Denken.“

Daraus folgt natürlicherweise die Fragestellung, auf der alle weiteren Elemente und Anwendungen eines „Thinking Environment“ begründen: Wie muss ein Umfeld beschaffen sein, damit Menschen best-möglichst denken können? 

Nancy Kline hat entdeckt, wie die Qualität des Denkens im Wesentlichen beeinflusst wird von der Umgebung, in denen der/die Denkende sich wiederfindet. Dies entgegen der landläufigen Meinung, dass die Qualität oder die Intelligenz des Denkenden entscheiden d sei. Indem ich also die Umgebung entsprechend gestaltete, kann ich mein Denken, das Denken meines Kunden, oder das Denken meines Teams verbessern. In Zeiten von sozialer Transformation, sich auflösenden Hierarchien und sich verändernden Berufsbildern ist die Fähigkeit, unabhängig denken zu können, von herausragender Bedeutung. Die gute Nachricht ist, dass es klar identifizierbare Komponenten gibt, die die Qualität einer idealen (Denk-)Umgebung beschreiben.

  1. Aufmerksamkeit
  2. Gleichheit
  3. Gelassenheit
  4. Wertschätzung 
  5. Ermutigung
  6. Gefühle
  7. Information
  8. Vielfalt/Diversität
  9. Einschneidende Fragen
  10. Ort

Auf alle Elemente im Detail einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ich möchte hier auf zwei Elemente eingehen, die mir im gegebenen Kontext als besonders relevant erscheinen. Die Komponente der Aufmerksamkeit, und die Komponente der Gleichheit. Zeitgleich möchte ich kurz beschreiben, wie die Komponenten durch konkrete Handlungen in die Praxis übersetzt werden.

Aufmerksamkeit wird identifiziert als das Element, das unabhängiges Denken erst möglich macht. Denkende brauchen ein Gegenüber. Und zwar eines, das voll konzentriert zuhört. und NICHT UNTERBRICHT. So schwierig das auch ist. Im Alltag denken wir oft gemeinsam – das heist, einer spricht, der andere wartet darauf etwas zu sagen – und unterbricht. Dabei werden Denkflüsse konstant unterbrochen, so dass am Schluss nichts zu Ende gedacht ist – und oft auch nichts entschieden oder gelöst ist. 

Hand aufs Herz: Wer fühlt sich davon nicht an eigene Sitzungen erinnert? Die meisten sind langwierig, langweilig, oft ist die Zielsetzung ist unklar, und die Resultate dürftig. Es reden immer die gleichen und immer das Gleiche Trotzdem halten wir treu an der Praxis der Meetings fest – wohl auch weil nicht so leicht auszumachen ist, wie es denn besser klappen könnte.

Nancy Kline gibt klare Handlungsanweisungen. Die Komponente der Aufmerksamkeit beschreibt eine Haltung, in der der Zuhörer dem Denkenden ganz bewusst seine volle Aufmerksamkeit schenkt – und dabei seinen eigenen mentalen Kommentar zurückstellt. In Meetings wird das Element umgesetzt, in dem jeder/jede  reihum seine Gedanken zu dem aktuellen Thema auf der Agenda ausspricht. Dabei wird nicht unterbrochen. 

Es gibt viele Argumente für ein solches Vorgehen: Jeder wird gehört, alle Perspektiven integriert, das Denken der Gruppe und das Resultat verbessert. Die Zufriedenheit mit den Meetings steigt.

Eine beindruckendes Beispiel beschreibt ein Artikel, den die renommierte Harvard Business Review im Juni 2019 publiziert hat: „The case for more silence in meetings“. (siehe https://hbr.org/2019/06/the-case-for-more-silence-in-meetings) Die Autoren gehen hier auf spezifische Kommunikationsmuster in Meetings ein und berufen sich dabei auf eine klassisches Experiment von 1985 von Garold Strasser und William Titus. Die beiden kreierten ein Szenario, in dem jeder Sitzungs-Teilnehmer Informationen bekam. Einige Informationen gingen an jeden Teilnehmer, andere Teile nur einen Einzelnen. Nur wenn die einzelnen Teile zusammenfügt wurden, konnte eine optimale Entscheidung getroffen werden. Je weniger Informationen den Weg in die Runde fanden, desto schlechter wurde die Entscheidung. Das Resultat der Studie ist beeindruckend: In weniger als 20% der Fälle wurden alle Informationen geteilt – meist wurden nur die gemeinsam bekannten Informationselemente diskutiert! In einem Meeting nach Prinzipien des Thinking Elements passiert das nicht.

Damit der Redefluss eines Einzelnen nicht aus dem Ruder gerät, kommt die zweite Komponente zum Tragen: Gleichheit. Gemeint ist damit nicht etwa, dass alle Sitzungsteilnehmer gleich sind,. Selbstverständlich gibt es Unterschiede in Hierarchie, Sozialisation, Erfahrung, Charakter und in anderen Dimensionen. Vielmehr soll das Element Gleichheit ausdrücken, sondern, dass alle als Denkende gleichwertig sind. Gleichwertigkeit impliziert, dass jeder und jede die Fähigkeit zum unabhängigen Denken angeboren hat, sofern die entsprechende Umgebung bereitet wird.

Das Prinzip wird in Meetings konkret so umgesetzt, dass jeder Teilnehmer die gleiche Redezeit beansprucht. In Runden, (Die Runde ist eine vielgenutzte Anwendung zur Aufrechterhaltung eines Thinking Environments®) spricht jeder der Reihe nach und beansprucht die gleiche Redezeit zu einem Thema – zum Beispiel zwei Minuten. Das führt dazu, dass keiner das Gespräch dominiert – und keiner/keine sich in Schweigen hüllen kann. In einem Meeting, das nach den Prinzipen des Thinking Environment® geführt wird, kommen alle Informationen zum Tragen – weil alle die Gelegenheit – und die Verpflichtung – haben, mitzudenken.

Dass alle gleichwertig Redezeit haben, heisst nicht, dass die Entscheidung konsensorientiert gefällt werden muss. Als Sitzungsleitung können Sie vorab klarstellen, wie die Entscheidung gefällt wird – unter Umständen alleine durch Sie. Sie haben aber, bevor sie die Entscheidung getroffen haben, das beste, unabhängige Denken ihres Teams bekommen und sichergestellt, dass Ihnen aller relevanten Ideen zur Verfügung stehen.

In stark hierarchiegetriebenen Unternehmungen ist oft gerade die Absenz eines Thinking Environments ein Machtinstrument, das mehr oder weniger bewusst eingesetzt wird. :Deswegen wird munter unterbrochen und wenig zugehört. Wenn Sie sich den Reibungsverlust nicht mehr leisten können (oder wollen), lade ich Sie ein, Meetings nach den Prinzipen des „Thinking Environments“® kennenzulernen.

Sie machen ihr Leben damit leichter – und werden erstaunt entdecken, dass Ihr Team kreativer und engagierter wird – und dabei auch mehr Spass hat.

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